Wer kennt es nicht: Weihnachten steht vor der Tür und Ihre beste Freundin hat vor Kurzem ein Baby bekommen. Sie ist noch über allen Wolken und teilt jedem mit, dass sie sich zu Weihnachten als Mutter einfach über Geschenke für ihre Kleinste freuen würde. Von Kleidung bis zu Spielzeug ist hier alles Recht, denn es ist ihr erstes Kind und sie möchte alles richtig machen!

Nun, dann stehen Sie im Einkaufszentrum und überlegen sich, ob es denn nun doch ein Kleid sein muss oder ob es auch ein cooler Overall sein darf. Ob es eine Puppe sein muss, oder ob Sie ihr auch die neueste Star Wars-Figur schenken könnten. Dabei sprudeln in Ihnen nicht nur Fragen über Geschmack oder Vorlieben der Freundin, sondern besonders diese vorgefertigten Rollen, was als Akzeptabel gilt und was eben nicht.

Diversität im Alltag

In solchen Situationen kommt natürlich oft das Geschlechterbild, welches in der Gesellschaft herrscht, zum Vorschein. Derzeit wird der Begriff ‚Gender‘ ja wie ein Brandfeuer verbreitet. Es wird von manchen gefeiert und von manchen anderen gefürchtet. Buben sollen nicht mit Puppen spielen, keine Ohrringe tragen und keine Gefühle zeigen, während Mädchen nicht kämpfen und wild spielen sollten, sondern brav sein und sich dann später eher ums Häusliche kümmern. Doch woher kommen diese Klischees? Im Alltag glauben wir, gewisse vorgefertigte Geschichten seien normal und wir entscheiden frei von Zwängen.

Doch wir unterschätzen dabei oft, wie sehr gewisse Erziehungsansätze und die damit verbundenen Werte und der Glauben dahinter uns beeinflussen und unser Handeln bestimmen. Diese versteckten Gewohnheiten aufzudecken haben sich Gender-Mainstreamer zum Ziel gesetzt. Denn wir werden von gewissen unterschwelligen Vorstellungen geleitet, deren Herkunft uns nicht einmal bewusst ist. Das zu ändern ist heute ein Ziel unserer Gesellschaft. Die Verwirklichung der Gleichstellung von Frauen und Männern, bezugnehmend auf die jeweiligen geschlechtsspezifischen Bedingungen und Interessen, hat beinahe jeden Menschen im Alltag erreicht.

Gezwungene Diversität im Alltag

Aus dem Leitbild der Geschlechtergerechtigkeit hat sich auch die Bewegung ‚Gender Creative Parenting‘ entwickelt, die nun auch meine Freundin erreicht hat. Eltern versuchen hier, ihre Kinder geschlechterlos zu erziehen. Was bedeutet das? Es wird versucht, die Rolle des Kindes als Junge oder Mädchen im ersten Lebensabschnitt erst einmal ruhen zu lassen und dem Kind dadurch zu ermöglichen, erste Erfahrungen mit Freundschaften und Hobbys ohne diese Rollenklischees machen zu können. Doch in der Realität ist eine solche Unterscheidung natürlich schwierig, jedoch im Grundsatz interessant.

Denn die biologischen Unterschiede sind präsent, die sind nicht veränderbar. Jedoch es kann diese Erziehungsmöglichkeit dazu dienen, den Horizont der Kinder zu erweitern, genauso wie es die Vorstellungskraft eines Jungen genauso wie eines Mädchens erweitern kann, sich um eine Puppe kümmern zu dürfen. Denn heute ist die klassische Rollenaufteilung der Kinderbetreuung bereits längst nicht mehr reine Muttersache. In vielen Ländern der Welt wird hier endlich aufgerüstet, Frauen und Männer gehen beide oder abwechselnd in Elternschutz und das ist auch gut so. Nun wäre es auch an der Zeit, sich diesen unterschwelligen Geschichten und Vorstellungen im Alltag zu stellen, die sowohl Männer als auch Frauen in ihren oft vorgefertigten Rollen verharren lassen.